Ich bin seit 12 Jahren CFO in drei verschiedenen Unternehmen. In dieser Zeit habe ich etwa 400 Vorstandssitzungen, 200 Investorpräsentationen und unzählige Finanzüberprüfungen erlebt.
Die meisten Finanzdiagramme sind schrecklich. Hier ist, was wirklich funktioniert.
Was Vorstandsmitglieder wirklich wollen
Lassen Sie mich Ihnen etwas Leid ersparen: Vorstandsmitglieder wollen nicht »die Daten erkunden«. Sie wollen Antworten auf drei Fragen:
- Sind wir im Plan?
- Wo liegen die Probleme?
- Was tun wir dagegen?
Ihre Diagramme sollten diese Fragen in unter 30 Sekunden beantworten. Alles andere ist Rauschen.
Die Diagramme, die funktionieren
1. Umsatz-Wasserfall (Mein am häufigsten verwendetes Diagramm)
Was es zeigt: Wie Sie von Punkt A zu Punkt B gekommen sind, mit jedem Plus und Minus sichtbar.
Warum es funktioniert: Es erzählt eine Geschichte. »Wir starteten bei 10 Mio. €, fügten 2 Mio. € von Neukunden hinzu, verloren 500.000 € durch Abwanderung, expandierten 1 Mio. € bei Bestandskunden und landeten bei 12,5 Mio. €.«
Wann zu verwenden: Monatliche Änderungen des wiederkehrenden Umsatzes, Budgetabweichungsanalysen, Gewinnbrücke vom Vorjahr zum aktuellen Jahr.
Profi-Tipp: Konsistent farbkodieren. Grün für Zuwächse, Rot für Abzüge. Immer. Ihr Vorstand wird lernen, diese sofort zu lesen.
2. Abweichungs-Balkendiagramm
Was es zeigt: Ist vs. Budget (oder vs. Vorjahr, oder vs. Ziel) für jede Position.
Warum es funktioniert: Es hebt sofort hervor, wo Sie vom Plan abweichen, in beide Richtungen.
Der Schlüssel: Nach Abweichungsgröße sortieren, nicht nach Position. Die größten Probleme sollten zuerst erscheinen.
Schlecht: Ausgaben alphabetisch zeigen
Gut: Ausgaben nach Abweichungsprozent sortiert zeigen, größte zuerst
3. Rollierende 12-Monats-Trends
Was es zeigt: Die letzten 12 Monate einer beliebigen Kennzahl, monatlich aktualisiert.
Warum es funktioniert: Es glättet monatliches Rauschen und zeigt den echten Verlauf.
Ich verwende dies für: Umsatz, Bruttomarge, Burn Rate, Mitarbeiterzahl. Alles, wo die Monatswerte unruhig sein können, der Trend aber zählt.
Der Trick: Eine einfache Trendlinie oder gleitenden Durchschnitt hinzufügen. Keine komplexe Prognose – nur etwas, das zeigt: »Geht es generell auf- oder abwärts?«
4. Cashflow-Zeitstrahl
Was es zeigt: Projizierte Cash-Bestände über die nächsten 6–12 Monate.
Warum es funktioniert: Es ist das Diagramm, das Vorstandsmitglieder wirklich sehen wollen, auch wenn sie es nicht zugeben. »Wann geht uns das Geld aus?« ist die eigentliche Frage.
Pflichtangaben: Aktueller Bestand klar markiert, wichtige Meilensteine (erwartete Finanzierung, große Zahlungen), Mindestbestandsgrenze.
Der Angstlöser: Zeigen Sie drei Szenarien – erwartet, konservativ, Worst Case. Es zeigt, dass Sie durchdacht haben.
5. KPI-Dashboard (einfache Version)
Was es zeigt: 5–8 Schlüsselkennzahlen, jeweils mit aktuellem Wert, Trendindikator und Status.
Warum es funktioniert: Es gibt den Überblick, bevor man in Details einsteigt.
Die Struktur, die ich verwende:
- Umsatz + Wachstumsrate
- Bruttomarge
- Burn Rate
- Finanzierungsspielraum (Runway)
- Jährlicher wiederkehrender Umsatz (ARR) oder wichtige Produktkennzahl
- Mitarbeiterzahl
Jede Kennzahl erhält: aktueller Wert, vs. Ziel (grün/gelb/rot), Trendpfeil und Sparkline.
Diagramme, die (meiner Erfahrung nach) nicht funktionieren
Kreisdiagramme für Umsatzaufschlüsselung
Das Problem: Vorstandsmitglieder möchten Segmente über die Zeit vergleichen. Kreisdiagramme können das nicht. »Wächst Enterprise schneller als KMU?« erfordert mentale Mathematik mit Kreisen.
Bessere Alternative: Gestapeltes Balkendiagramm über die Zeit oder gruppierte Balken, die aktuell vs. Vorperiode vergleichen.
Komplexe Kohortenanalysen
Das Problem: Nur das Data-Team versteht sie. Vorstandsmitglieder nicken und gehen weiter.
Wenn sie funktionieren: Eins-zu-eins mit einem versierten Investor, der explizit danach fragt.
Besser für Vorstände: Fassen Sie die Kohorten-Erkenntnis in einer Zahl zusammen. »Q2-Kohorten behalten im Monat 6 15 % besser als Q1-Kohorten.« Dann zeigen Sie einen einfachen Balken, der die beiden vergleicht.
Übermäßig detaillierte GUV-Tabellen
Das Problem: 50 Positionen erzeugen Informationsüberlastung. Wichtige Abweichungen gehen unter.
Bessere Alternative: Zusammengefasste GUV mit erweiterbaren Details. Zeigen Sie 8–10 Hauptkategorien in der Hauptansicht. Halten Sie die Details bereit, falls jemand fragt.
Die Präsentationstricks
Beginnen Sie mit der Antwort
Bauen Sie keine Spannung auf. Finanzpräsentationen sind keine Krimis.
Erste Folie: »Umsatz lag bei 12,5 Mio. €, 5 % über Ziel. Burn verringerte sich um 10 %. Runway beträgt 14 Monate.«
Dann gehen Sie in die Details.
Verwenden Sie konsistente Layouts
Jeden Monat sollte Umsatz an derselben Stelle stehen. Cash an derselben Stelle. Vorstandsmitglieder bauen mentale Modelle – helfen Sie ihnen, indem Sie Dinge vorhersehbar halten.
Kennzeichnen Sie die Anomalien
Wenn etwas seltsam aussieht, erklären Sie es auf dem Diagramm. »Spitze aufgrund jährlicher Vorauszahlung des Vertrags« spart fünf Minuten Frage-Antwort-Runde.
Halten Sie Backup-Details bereit
Ihre präsentierten Diagramme sollten einfach sein. Aber haben Sie die detaillierten Backups im Anhang oder in versteckten Folien bereit. Wenn ein Vorstandsmitglied fragt: »Was treibt den Rückgang des Dienstleistungsumsatzes an?« – sollten Sie es zeigen können, ohne zu suchen.
Tools und Prozesse
Ich habe alles von Excel bis hin zu Enterprise-BI-Tools verwendet. Hier ist mein aktueller Stack:
Für schnelle Analysen: Immer noch Excel oder Google Sheets. Nichts schlägt eine Pivot-Tabelle für die Exploration.
Für Vorstandspräsentationen: Spezielles Visualisierungs-Tool. Ich war beeindruckt von KI-unterstützten Tools wie ChartGen – sie erzwingen automatisch Best Practices und produzieren konsistente, saubere Ergebnisse.
Für laufende Dashboards: Was auch immer in Ihr Data Warehouse integriert. Konsistenz ist wichtiger als Features.
Die wesentliche Erkenntnis: Das Tool ist weniger wichtig als die Disziplin. Ein klares Diagramm in Excel schlägt ein verwirrendes Diagramm in einer teuren BI-Plattform.
Häufige CFO-Diagrammfehler
- Zu viele Kennzahlen: Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig.
- Kein Kontext: Umsatz ohne Ziel oder Vergleich ist bedeutungslos.
- Inkonsistente Zeiträume: Monatliche und vierteljährliche Daten im selben Diagramm mischen.
- Überpräzision: Vorstandsmitglieder müssen keine Nachkommastellen bei einer Umsatzzahl von 50 Mio. € sehen.
- Fehlende Erzählung: Diagramme sollten eine Geschichte unterstützen, nicht ersetzen.
Die Vorbereitungs-Checkliste
Vor jeder Vorstandssitzung frage ich:
- Kann jedes Diagramm in 10 Sekunden verstanden werden?
- Sind die größten Probleme sofort sichtbar?
- Gibt es ein klares »Was bedeutet das?« für jeden Abschnitt?
- Habe ich die drei wahrscheinlichsten Fragen antizipiert?
Abschließender Gedanke
Das beste Finanzdiagramm ist dasjenige, das eine Nachfrage verhindert.
Wenn Vorstandsmitglieder ständig fragen »aber was bedeutet das?« oder »können Sie das aufschlüsseln?« – dann erfüllen die Diagramme ihren Zweck nicht.
Klarheit schlägt Vollständigkeit. Jedes Mal.


