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Kreisdiagramm-Guide: Wann nutzen, Best Practices, Fehler

Kreisdiagramme meistern. Wann sie funktionieren, wann nicht, und wie Sie klare Kreisdiagramme erstellen.

Sarah Chen, Lead Data Analyst

Sarah Chen

Lead Data Analyst

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Kreis- und Ringdiagramme mit Best Practices für Teil-Ganzes-Visualisierung
Kreisdiagramm-Best Practices: Beispiele für proportionale Daten

Kreisdiagramme gehören zu den bekanntesten – und am häufigsten falsch eingesetzten – Diagrammtypen in der Datenvisualisierung. Nach der Analyse Tausender Dashboards und Berichte habe ich Kreisdiagramme brillant und katastrophal eingesetzt gesehen. Dieser Guide hilft Ihnen zu verstehen, wann Kreisdiagramme funktionieren, wann sie versagen und wie Sie solche erstellen, die wirklich klar kommunizieren.

Was ist ein Kreisdiagramm und wie funktioniert es?

Ein Kreisdiagramm ist eine kreisförmige statistische Grafik, die in Segmente unterteilt ist, um numerische Anteile darzustellen. Jedes Segment steht für den Beitrag einer Kategorie zum Ganzen; Bogenlänge (und damit Fläche) sind proportional zum dargestellten Wert.

Die Mathematik ist einfach: Ein voller Kreis entspricht 100 %, und der Winkel jedes Segments wird berechnet als (Wert / Summe) × 360 Grad.

Die Psychologie hinter Kreisdiagrammen

Menschen können Winkel um 0°, 90° und 180° – die Hauptrichtungen – natürlich gut einschätzen. Daher sind 50 % (Hälfte) sofort erkennbar, 25 % (Viertel) leicht zu erkennen, während alles zwischen 20–30 % schwer zu unterscheiden ist. Diese kognitive Grenze ist entscheidend dafür, wann Kreisdiagramme sinnvoll sind.

Wann Sie ein Kreisdiagramm nutzen sollten (die 5 goldenen Regeln)

Regel 1: Maximal 5–6 Segmente

Die Kognitionsforschung zeigt, dass Menschen mehr als 5–6 Elemente gleichzeitig kaum vergleichen können. Darüber wird Ihr Kreisdiagramm ein unübersichtliches Farbgewimmel.

Gutes Beispiel: Marktanteile der Top-5-Wettbewerber

Schlechtes Beispiel: Umsatzaufteilung nach 15 Produktkategorien

Regel 2: Segmente müssen sich deutlich unterscheiden

Bei 23 %, 22 %, 21 %, 20 % und 14 % versagt ein Kreisdiagramm. Die visuellen Unterschiede sind kaum wahrnehmbar.

Die-5%-Regel: Benachbarte Segmente sollten sich um mindestens 5 Prozentpunkte unterscheiden, damit sie klar erkennbar sind.

Regel 3: Sie zeigen Teil-Ganzes-Beziehungen

Kreisdiagramme beantworten eine Frage: „Welchen Anteil am Ganzen stellt dies dar?“ Wenn Sie Werte zwischen Kategorien vergleichen (nicht Anteile), nutzen Sie ein Balkendiagramm.

Regel 4: Ihr Publikum erwartet Prozentangaben

Kreisdiagramme eignen sich am besten, wenn Ihre Daten natürlich in Prozent diskutiert werden: „Marketing macht 35 % des Budgets aus“, „Mobile Nutzer 62 % des Traffics“, „Produkt A hält 45 % Marktanteil“.

Regel 5: Reihenfolge und Beschriftung sind klar

Beginnen Sie mit dem größten Segment bei 12 Uhr und ordnen Sie die Segmente im Uhrzeigersinn absteigend. So entsteht ein natürlicher Lesefluss.

Wann Sie kein Kreisdiagramm nutzen sollten

Werte über die Zeit vergleichen

Nutzen Sie nie mehrere Kreisdiagramme für zeitliche Veränderungen. Das zwingt Leser, Kreise nebeneinander zu vergleichen – eine kaum lösbare kognitive Aufgabe.

Stattdessen: Liniendiagramm oder gruppiertes Balkendiagramm

Präzise Vergleiche

Wenn Ihr Publikum exakte Unterschiede zwischen Kategorien braucht, versagen Kreisdiagramme. Ist das Segment 18 % oder 22 %? Ohne Beschriftung rät man nur.

Stattdessen: horizontales Balkendiagramm mit angezeigten Werten

Negative Werte

Kreisdiagramme können keine negativen Werte darstellen. Bei Verlusten, Defiziten oder negativen Zahlen brauchen Sie einen anderen Diagrammtyp.

Stattdessen: divergentes Balkendiagramm oder Wasserfalldiagramm

Mehr als 6 Kategorien

Bei zu vielen Segmenten wird das Kreisdiagramm unleserlich. Die „Sonstige“-Lösung versteckt oft wichtige Informationen.

Stattdessen: horizontales Balkendiagramm (nach Wert sortiert)

Best Practices für Kreisdiagramme

1. Bei 12 Uhr starten

Beginnen Sie das größte Segment immer bei 12 Uhr. Das entspricht der Lesegewohnheit und macht das Diagramm intuitiver.

2. Logisches Farbschema

  • Sequenzielle Daten: Nuancen derselben Farbe (hell bis dunkel)
  • Kategoriale Daten: deutliche, barrierefreie Farben
  • Wichtige Segmente hervorheben: kräftige Farbe für den Fokus, gedämpfte Töne für den Rest

3. Effektiv beschriften

Es gibt drei Beschriftungsstrategien: Direkt auf den Segmenten: am besten bei 3–4 Segmenten; bei großen Segmenten innen, bei kleinen Führungslinien. Legende: bei einfachen Diagrammen akzeptabel; Legende rechts oder unten, Reihenfolge wie die Segmente. Kombiniert: Prozent auf dem Segment, Kategorie in der Legende – guter Kompromiss aus Klarheit und Platz.

4. Donut-Diagramm in Betracht ziehen

Donut-Diagramme (Kreisdiagramme mit Loch) bieten: Platz in der Mitte für Kennzahlen oder Summen, etwas einfacheren Bogenvergleich, moderneres Erscheinungsbild. Das ideale Loch hat 40–60 % des Radius.

5. 3D-Effekte vermeiden

3D-Kreisdiagramme verzerren die Wahrnehmung. Segmente „vorn“ wirken größer als sie sind. Nutzen Sie flache 2D-Kreisdiagramme für eine korrekte Darstellung.

Effektive Kreisdiagramme erstellen: Schritt für Schritt

Schritt 1: Daten prüfen

Vor dem Erstellen prüfen: Summe ergibt 100 % (oder ein sinnvolles Ganzes), maximal 6 Kategorien, Segmente unterscheiden sich deutlich, keine negativen Werte.

Schritt 2: Daten vorbereiten

Kategorien nach Wert sortieren (größte zuerst). Bei Rohdaten Prozente berechnen.

Schritt 3: Farben wählen

Hauptsegment: Markenfarbe oder hoher Kontrast; weitere Segmente: komplementär oder sequenziell; „Sonstige“: immer Grau oder gedämpfter Ton.

Schritt 4: Beschriftungen gezielt setzen

Pro Segment: Innenbeschriftung bei >15 %, außen mit Führungslinie bei ≤15 %, unter 5 % nur in der Legende.

Schritt 5: Klaren Titel wählen

Der Titel soll beantworten: „Was zeigt dieses Diagramm?“ Schwach: „Umsatzverteilung“. Stark: „Produkt A führt Q4-Umsatz mit 38 % Marktanteil“.

Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Budgetverteilung (gute Nutzung)

Jahresbudget: Betrieb 42 %, Marketing 28 %, F&E 18 %, Verwaltung 12 %. Funktioniert, weil: 4 Segmente, klare Unterschiede, natürliche Teil-Ganzes-Story.

Beispiel 2: Kundenzufriedenheit (schlechte Nutzung)

Umfrage auf 5-Punkte-Skala: Sehr zufrieden 24 %, Zufrieden 26 %, Neutral 22 %, Unzufrieden 18 %, Sehr unzufrieden 10 %. Scheitert, weil: 5 ähnlich große Segmente (außer dem letzten), ordinale Daten besser als Balkendiagramm.

Beispiel 3: Marktanteil mit dominanter Größe (sehr gute Nutzung)

Browser-Marktanteile: Chrome 65 %, Safari 19 %, Firefox 8 %, Edge 5 %, Sonstige 3 %. Ideal, weil: klares dominantes Segment, sinnvolle Unterschiede – genau der Anwendungsfall für Kreisdiagramme.

Alternativen zum Kreisdiagramm

Balkendiagramm: bei mehr als 6 Kategorien, präzisen Vergleichen oder positiven und negativen Werten.

Treemap: bei hierarchischen Daten oder vielen Kategorien, die ein Ganzes bilden.

Waffeldiagramm: wenn Anteile präziser als im Kreisdiagramm gezeigt werden sollen (z. B. 1 Quadrat = 1 %).

Gestapeltes Balkendiagramm: um Teil-Ganzes über mehrere Gruppen oder Zeiträume zu vergleichen.

Typische Fehler und Korrekturen

Zu viele Segmente: kleine Kategorien in „Sonstige“ bündeln (unter 10–15 %) oder zum Balkendiagramm wechseln.

Explodierte Segmente: Hervorhebung durch Farbe statt Segmente auseinanderziehen; alle Segmente zusammenhalten.

Uneinheitliche Startposition: immer bei 12 Uhr starten, im Uhrzeigersinn nach Größe sortieren.

Fehlende Beschriftungen: jedes Segment mindestens mit Prozent, bei Platz mit Kategoriename.

Schlechte Farbwahl: hoher Kontrast, auf Barrierefreiheit (z. B. Farbenblindheit) testen.

Kreisdiagramme in ChartGen

Mit ChartGen: Daten mit Kategorie- und Wertspalte hochladen oder einfügen → „Kreisdiagramm“ wählen → Farben, Beschriftungen und Donut-Loch anpassen → exportieren. ChartGen sortiert Segmente nach Größe, positioniert Beschriftungen optimal, schlägt bei Bedarf Balkendiagramme vor und erzeugt barrierefreie Paletten.

Fazit

Kreisdiagramme sind weder per se gut noch schlecht – sie sind Werkzeuge mit spezifischen, begrenzten Anwendungsfällen. Wenn Sie zeigen wollen, wie Teile ein Ganzes bilden, mit 5 oder weniger deutlich unterschiedlichen Segmenten, sind Kreisdiagramme ideal. Sonst Alternativen wählen.

Vor dem Erstellen: Repräsentieren meine Daten Teile eines Ganzen? Habe ich maximal 6 Kategorien? Sind die Segmente visuell unterscheidbar? Versteht mein Publikum Anteile ohne exakte Werte? Bei einem „Nein“ eignet sich ein anderer Diagrammtyp besser. Mit diesen Prinzipien kommunizieren Ihre Kreisdiagramme klar, wirken professionell und helfen Ihrem Publikum, die Daten auf einen Blick zu erfassen.

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